Klimaexperten prognostizieren wüstenähnliche Temperaturen für das Pantanal

Veröffentlicht am 14. April 2016 - 20:26h unter Pantanal News

Landschaft Pantanal_0146Noch ist das Pantanal das größte Feuchtgebiet der Welt. Das könnte sich allerdings mit der Klimaerwärmung schon in den kommenden 84 Jahren ändern. Nach einer Studie wird für das Pantanal von einer Temperaturerhöhung von durchschnittlich bis zu sieben Grad ausgegangen. Die FolgeN davon wären eine Veränderung der Landschaft, der vorhandenen Tier- und Pflanzenwelt und eine Abnahme der Überschwemmungsflächen.

Die Prognosen stammen vom Hydrologen und Meteorologen José Antonio Marengo Orsini vom Überwachungszentrum für Naturkatastrophen (Cemaden) und seinem Team. Sie haben in dem Kompendium “Dynamics of the Pantanal Wetland in South America“ die Ergebnisse ihrer Arbeit “Climate Change Scenarios in the Pantanal“ veröffentlicht. Nach dieser sieht die Zukunft für das Pantanal von heute nicht rosig aus.

Während von einer globen Erwärmung für 2100 von durchschnittlich 3,7 bis 4,8 Grad ausgegangen wird, sind es für das Pantanal über sechs Grad. Statt der bisherigen Höchsttemperaturen an Sommertagen von um die 41 Grad könnten diese dann bei wüstenähnlichen 50 Grad liegen.

Noch überschwemmen die Flüsse während der Regenzeit zwischen November und März bis zu 70 Prozent der Ebene. Gäbe es die regelmäßigen Überschwemmungen nicht, die zwischen vier und acht Monate im Jahr anhalten, würde die Region eher der semiariden Caatinga im Nordosten Brasiliens gleichen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die höheren Temperaturen die Niederschlagsmengen um 30 bis 40 Prozent reduzieren könnten, während es gleichzeitig zu einer stärkeren Verdunstung käme. Von den wenige Zentimeter bis zu zwei Meter tiefen Überschwemmungsflächen würden damit etliche verschwinden. Schon eine Erhöhung der durchschnittlichen Jahrestemperatur zwischen füfn und sechs Grad würde zu einem Wassermangel führen und sich auf die Biodiversität und die Bevölkerung auswirken, wie Marenga erklärt.

Pflanzenarten, die auf einen hohen Feuchtigkeitsgrad angewiesen sind könnten verschwinden und von Trockenheitsresistenten oder weniger anspruchsvollen Pflanzen ersetzt werden. Das veränderte Nahrungsangebot würde sich direkt auf die Pflanzen fressenden Tiere auswirken, die wiederum Nahrungsgrundlage für Raubtiere sind, wie Jaguare oder Kaimane.

Als Grundlage haben die Wissenschaftler die Daten aus dem “Fifth Assesment Report“ (2014) des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) genommen und diese auf die lokalen Verhältnisse des Pantanal hoch gerechnet. Laut Marengo gibt es allerdings vor allem beim Niederschlagsregime noch große Unklarheiten. Er verweist zudem auch auf die direkten Einflüsse des Menschen durch eine veränderte Bodennutzung, die das Feuchtgebiet ebenso stark bedrohen.