Die Bedeutung der Temperatur im Leben der Kaimane

Veröffentlicht am 14. April 2015 - 18:30h unter Pantanal News

Die Temperatur ist eine ambientale Variante, die in der Lebensgeschichte der “Krokodilianer“ eine ganz aussergewöhnlich bedeutende Rolle spielt, denn sie bestimmt allein das Geschlecht dieser Reptilien und ist verantwortlich für ihr embryonales Wachstum. Die von den “Krokodilianern“ (Alligatoren, Kaimanen und Krokodilen) bevorzugte Temperatur ist abhängig von ihrem Ernährungsstatus, ihrem Alter, ihrer Gesundheit, ihrem Sozialverhalten, und der Temperatur, durch die sie als Embryo ausgebrütet wurden.

Die Bruttemperatur der Eier ist auch massgebend für das Geschlecht der Embryonen des “Jacaré-do-Pantanal (Caiman crocodilus yacare), die nicht etwa von den auf den Eiern hockenden Eltern bestimmt wird, sondern von den das Nest umgebenden ambientalen Temperaturen. Allerdings hält sich die Mutter während der Inkubationszeit stets im näheren Umkreis des Nestes auf, um ihr Gelege zu verteidigen. Betragen die lokalen Temperaturen während der Inkubation so zwischen 29 bis 31°C, schlüpfen vorwiegend weibliche Exemplare – liegen die Temperaturen dagegen so zwischen 23 bis 26°C, werden vorwiegen männliche Tiere aus den Eiern kriechen.

Die Temperaturen im Nest variieren entsprechend der Sonneneinstrahlung, der Niederschläge und der Lufttemperatur. Die Platzierung des Nestes – im Wald oder in einem Gewässer treibender Vegetation – wird von unterschiedlichen ambientalen Bedingungen beeinflusst, die sich ebenfalls in der Geschlechtsbestimmung der Embryonen niederschlagen. Die Temperaturunterschiede in einem Nest im Wald sind geringer als die eines Nestes auf offenem Gewässer. Auch für die Entwicklung der Embryos und ihr Überleben in den Eiern ist die Aussentemperatur massgebend. Die frisch geschlüpften Jungen aus wärmeren Nestern sind grösser als die aus Nestern mit niedrigeren Temperaturen – und sie haben auch grössere Überlebenschancen in ihrer natürlichen Umgebung.

jacare_0993Alle “Krokodilianer“ sind so genannte ektotermische Tiere – sie regulieren ihre Körpertemperaturen mittels der jeweiligen ambientalen Temperatur – sowohl durch die Sonneneinstrahlung als auch die Wassertemperatur. Ihre eigene metabolische Wärmeproduktion ist unbedeutend. Extreme Temperaturschwankungen allerdings, vertragen sie nicht – bei zu hohen Temperaturen werden sie lethargisch und trockenen aus, bei zu niedrigen, bereits zwischen 8 bis 11°C, gehen sie in eine Starre über die zum Tod führen kann.

Die Temperatur des Caiman crocodilus Yacare – inzwischen nur noch als Caiman yacare bezeichnet und in Deutsch als Brillenkaiman bekannt – variiert während eines Jahres im Ambiente des Pantanals ziemlich stark. In den kühleren Monaten, durch die abwechselnden kühlen und plötzlich wieder heissen Tage, fällt seine durchschnittliche Körpertemperatur auf 25°C, während sie in den wärmeren Monaten sich um die 30°C bewegt.

Im Pantanal dauern die Kaltfronten in der Regel 2 bis 3 Tage, mit Temperaturen, die bis auf 20oC fallen, von einem Tag auf den anderen. In der kühleren Jahreszeit gibt es auch heisse Tage, und die Brillenkaimane liegen dann alle in der prallen Sonne, jedoch steigt ihre Körpertemperatur kaum über die der Luft an. An kühlen Tagen, wenn die Lufttemperatur niedriger ist als die des Wassers, bleiben die Kaimane im Wasser, und ihre Körpertemperatur gleicht sich der des Wasser an.

Während der heissen Zeit des Jahres, die auch mit der Trockenheit im Pantanal parallel verläuft, halten sich die Kaimane längere Zeit an schattigen Stellen auf – sowohl an Land wie im Wasser – als sich der direkten Sonnenbestrahlung auszusetzen. Während dieser Zeit gleicht ihre Körpertemperatur der des Wassers, obgleich sie sich zwischen Land und Wasser bewegen.

jacares_1676Zu der Thermoregulierung der jungen Brillenkaimane gehört besonders viel Sonne, die sie an Land, an der Wasseroberfläche, an den Ufern von Seen und auf der aquatischen Vegetation ruhend, geniessen – vorzugsweise in den ersten Morgenstunden nach Sonnenaufgang und am Späten Nachmittag. Normalerweise entspricht die Körpertemperatur der Jungtiere jener des Ambientes, in dem sie sich aufhalten. Ihre Körper erwärmen sich schnell, können aber ebenso schnell auch auskühlen. Hohe Temperaturen beschleunigen den Verdauungsprozess und in Konsequenz regen sie, sowohl bei jungen wie bei erwachsenen Exemplaren, den Appetit an.

Auch die sozialen und reproduktiven Interaktionen werden von den ambientalen Temperaturen bestimmt. Die Brillenkaimane im Pantanal bewegen sich besonders in den Stunden milder Temperaturen (in der Morgenfrühe und am späten Nachmittag, sowie in der Nacht), und die Rangeleien um die Gunst der Weibchen finden morgens statt – dann kann man auch ihre mächtigen Lautäusserungen vernehmen.

Die Abhängigkeit von den verschiedenen Temperaturen im Lebensrhythmus des Brillenkaimans aus dem Pantanal – sowohl der jungen wie der ausgewachsenen Tiere – ist ein Faktor, den man in Programmen zur Erhaltung und Behandlung dieser Spezies unbedingt berücksichtigen muss.