Forscher befürchten ein Verschwinden des größten Feuchtgebietes der Welt

Veröffentlicht am 16. Dezember 2015 - 09:34h unter Pantanal News

Pr-do-sol no Cerrado goianoForscher und Umweltschützer warnen davor, dass das größte Feuchtgebiet der Welt in wenigen Jahrzehnten einen Kollaps erleiden könnte. Veränderungen durch den Klimawandel sind schon jetzt spürbar, wie sie sagen. Sie fordern deshalb zu einem umgehenden Handeln auf.

Für die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Sistemas Fluviais e Meio Ambiente“ (Fluss-Systeme und Umwelt) steht fest, dass die Zunahme der Temperaturen in den tropischen Ozeanen dramatische Konsequenzen für den Wasserzyklus im Pantanal mit sich bringt. Veränderungen beim Zyklus der Überschwemmungen durch den Rio Paraguai sind eine der Folgen. Befürchtet werden auch längere Trockenzeiten, wodurch Flora und Fauna negativ beeinträchtigt würden.

Die Forschungsgruppe, der auch internationale Universitäten und Institutionen angehören, studiert bereits seit 2000 die Veränderungen des Pantanals. Beitragen soll ihre Arbeit nicht nur zu einem besseren Verständnis der Vorgänge, sondern ebenso zur Aufklärung, welche Maßnahmen am effektivsten für den Erhalt des gigantischen Feuchtgebietes sind.

Veränderungen des von dem Rhythmus an Trocken- und Überschwemmungszeiten abhängigen Pantanals durch den Klimawandel werden ebenso vom Koordenator des Programmes Cerrado-Pantanal vom World Wildlife Fond (WWF) befürchtet.

Júlio César Sampaio bestätigt, dass in einigen Bereichen die Trockenzeiten schon jetzt länger und stärker ausfallen und etliche Fischarten und andere Tiere dadurch auf auf immer kleinere Flächen zusammengedrängt werden. Er spricht davon, dass diese Extrem-Evente das Biom nach und nach “erwürgen“. Sampaio ruft zu einem sofortigen Handeln auf, um ein Verschwinden der Arten und letztlich des Pantanals aufzuhalten.

Angesetzt wird dabei nicht auf globaler Ebene. Vielmehr sehen es die Umweltschützer als eine der wichtigsten Aufgaben, die Quellbereiche der Zuflüsse des Feuchtgebietes zu schützen und bereits degradierte wieder zu renaturieren. Ein entsprechendes Programm, an dem sich mittlerweile 25 Munizipe, etliche private und öffentliche Einrichtungen sowie Organisationen beteiligen, kann bereits auf erste Erfolge verweisen.

Beeinträchtigt wird das außerordentliche Biom nicht nur durch den Klimawandel. Auch die kleinen Wasserkraftwerke im Becken des Pantanals hinterlassen ihre Spuren sowie eine intensive Landwirtschaft.

Von Vertretern des landwirtschaftlichen Beratungsunternehmens Embrapa heißt es hingegen, dass es noch zu früh sei, von Auswirkungen globaler Klimaveränderungen im Pantanal zu sprechen. Veränderungerungen bei den Überschwemmungszeiten in den vergangenen zwei Jahren werden jedoch eingeräumt. Mit dem Projekt Pecus Pantanal erforscht die Einrichtung die Auswirkungen der Viehzucht auf die Klimaerwärmung.