Größtes Feuchtgebiet der Welt durch Anbau von Soja bedroht

Veröffentlicht am 27. Juli 2015 - 11:23h unter Pantanal News

Während das Soja einer der Exportschlager Brasiliens ist, sorgt es im Pantanal für Probleme. Spezialisten warnen vor unumkehrbaren Auswirkungen für das größte Feuchtgebiet und eins der artenreichsten Biome der Welt durch den intensiven Anbau der Hülsenfrucht. Bedroht ist das Pantanal durch eine Ausweitung der Anbauflächen sowie ebenso durch die Verwendung enormer Mengen von Pflanzenschutzmitteln.

Foto: Pedro Revillion/Palácio Piratini

Intensiver Anbau bedroht das Pantanal / Foto: Pedro Revillion – Palácio Piratini

Wieder einmal hat Brasilien kürzlich eine Rekordernte von überwiegend transgenen Soja vermeldet. Etwa 95 Millionen Tonnen sind 2015 eingefahren worden. Ungefähr 37 Prozent davon stammen aus den Bundesstaaten Mato Gross (30 Prozent) und Mato Grosso do Sul, in denen sich das Pantanal befindet. Erreicht wurde die Steigerung durch eine höhere Produktivität sowie ebenso durch eine Ausweitung der Anbauflächen. Haben sich diese bisher auf die das Pantanal umgebenden höher gelegenen Regionen beschränkt, wird mittlerweile auch eine Ausbreitung auf Teilbereiche des Feuchtgebietes angeprangert. Das Umweltsekretariat Mato Grosso do Suls hat bereits Kontrollen dazu angekündigt.

Angeheizt durch die große weltweite Nachfrage und allen voran Chinas weiten die Fazendeiros ihre Flächen immer mehr aus. Eine dieser Wachstumsregionen ist Cáceres, die vom Rio Paraguai und dem Pantanal geprägt ist. Allein dort ist geplant, in den kommenden Jahren weitere 45.000 Hektar Land in Acker umzuwandeln. Dafür verantwortlich zeichnet eine einzige Firma. Wie es heißt soll vor allem auf degradiertem Weideland künftig Soja kultiviert werden.

In der Region ist ebenso der Bau des Flußhafens Morrinho vorgesehen und der Ausbau der Wasserstraße, um Corumbá und Cáceres miteinander zu verbinden und so einen schnelleren Abtransport des gelben Goldes zu ermöglichen. Vorgesehen sind dazu unter anderem eine Vertiefung der Fahrtrinne und eine Veränderung des natürlichen Flussverlaufes. Umweltschützer und Forscher befürchten dadurch nicht nur eine Zunahme der Fließgeschwindigkeit des Flusses, sondern auch negative Auswirkungen auf die für das Feuchtgebiet so wichtigen Überschwemmungszyklen.

Eine große Bedrohung des einzigartigen Bioms sehen Spezialisten ebenso in den Unmengen an Pflanzenschutzmitteln, die jährlich auf den Ackern und ebenso in den Gewässern landen. Brasilien ist weltweiter Spitzenreiter, was den Verbrauch an Agrochemikalien anbelangt. Studien eines anerkannten brasilianischen Toxikologen zeigen, dass in einer Gemeinde im Norden des Bundesstaates Mato Grossos 83 Prozent der Brunnen bereits mit Agrochemikalien verunreinigt sind.

Darüber hinaus wurde in 56 Prozent der Proben von Regenwasser und in 25 Prozent der Luftproben eine Kontaminierung nachgewiesen. Sollte die intensive Landwirtschaft auch vom Pantanal Besitz ergreifen, wäre dort mit ähnlichen Zahlen zu rechnen. Für das Feuchtgebiet hätte dies jedoch verheerende Folgen.

Aber nicht nur Umweltschützer und Wissenschaftler warnen vor dem Run auf das Soja, das unter anderem zu Tier- und Kraftfutter verarbeitet und in verschiedenster Form in der Nahrungsmittelindustrie zum Einsatz kommt. Erst vor wenigen Tagen haben Sprecher der brasilianischen Guarani-kaiowa-Indios vor französischen Politikern in Paris von den Auswirkungen des Soja- und Zuckerrohranbaus auf Natur und Mensch in Mato Grosso do Sul berichtet. Am Soja und Ethanol klebe das Blut der Guarani-kaiowa, so Valdelice Veron, Tochter eines 2003 von einem Fazendeiro ermordeten Indiosprechers.

Durch die steigende Nachfrage nach der Hülsenfrucht und dem für Biotreibstoffe aus dem Zuckerrohr gewonnenen Ethanol hat sich der Landkonflikt in vielen Regionen Brasiliens und ebenso in Mato Grosso do Sul verschärft. Auf die in den vergangenen Jahren gestiegene Mordrate an Indios hat ebenso der katholische Missionsrat CIMI bereits mehrfach verwiesen.