Der Jaguar – die Großkatze im Pantanal

Veröffentlicht am 23. August 2011 - 19:09h

Als grösste Katze beider Amerikas ist der gefleckte JaguarOnça – wie er in Brasilien heisst oder „Der mit einem Schlag die Beute tötet“ aus dem Tupi – nächster Verwandter von Löwen, Tigern und Leoparden. Sein natürlicher Lebensraum sind die dichten Dschungel und tropischen Wälder. Wie die Tiger, so sind auch die Jaguare exzellente Schwimmer und fangen sogar Fische. Eine genetische Eigenart, die man Melanismus nennt, produziert hie und da Exemplare, die vollkommen schwarz sind. Bekannt als schwarzer Panter oder schwarzer Jaguar, gehört dieser derselben Spezies an.

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fleischfresser
Familie: Felidae
Generis: Panthera
Art: Panthera onca
Allgemeine Bezeichnung: Gefleckter Jaguar
Spezies: Neun Untergruppen verteilt auf Nord-, Zentral- und Südamerika
Maximale Grösse: 1.8 m
Gewicht: 35 bis 130 kg
Reproduktion: 1-4 Junge, innerhalb von 90 bis 111 Tagen der Schwangerschaft.
Sozialverhalten: Diese Grosskatzen sind Einzelgänger und tun sich nur zur Fortpflanzung zusammen.
Nahrung: Hirsche, Tapire, Reptilien, Fische, Affen und Rinder.
Status: Die Waldrodung bedroht das natürliche Habitat des gefleckten Jaguars.

Eigenschaften

Sein Gewicht liegt zwischen 35 und 90 kg bei den weiblichen Exemplaren, die in der Regel leichter sind als die männlichen (55 bis 130 kg). Das Tier besitzt einen robusten, kompakten und muskulösen Körper. Seine Gesamtlänge kann variieren zwischen 1,70 und 2,40 Metern, und auf seinen Schwanz entfallen etwa 52 bis 66 Zentimeter seiner Körperlänge. Die Jaguare, welche in Waldregionen leben, sind in der Regel kleiner als Exemplare offener Regionen, wie zum Beispiel dem Panatanal in Brasilien oder den Llanos in Venezuela.

Sein Fell variiert zwischen hellem Gelb bis Ocker und ist von charakteristischen schwarzen Flecken bedeckt, welche rosettenartige Formen in verschiedenen Grössen bilden. Diese Rosetten sind gewissermassen die Fingerabdrücke des Tiers und dienen den Biologen zur Unterscheidung der einzelnen Exemplare, denn jedes Individuum besitzt eine unterschiedliche Fellzeichnung. Auf diese Weise, mittels einer Anwendung von fotografischen Fallen, wird es möglich, eine Zählung des Bestandes in einer bestimmten Region vorzunehmen. Auch die melanische Variation der Spezies – also die schwarzen Jaguare – hat jene Rosetten-Zeichnung, die noch schwärzer ausfällt als das übrige Fell.

Andere Grosskatzen, die ebenfalls schwarze Flecken aufweisen, können mit dem Jaguar verwechselt werden. Zum Beispiel der Leopard (Panthera pardus), der in Afrika und Asien vorkommt, oder der Ozelot (Leopardus pardalis), der auf dem amerikanischen Kontinent zuhause ist.

Verhalten

Der gefleckte Jaguar, zusammen mit dem Schneeleoparden, dem Tiger, dem Löwen und dem Leoparden, sie bilden die fünf Grosskatzen-Spezies, welche zum Generis Panther gehören. Als gemeinsames Merkmal besitzt diese Art eine unvollständige Ausbildung des Kehlkopfknorpels, wodurch ihre Lautäusserung besonders stark und tief klingt – man denke nur an das Löwengebrüll z.B. im Zoo. Ein solch kurzes und abgehacktes Brüllen ist auch für die Jaguare charakteristisch während ihrer Brunftzeit – damit kommunizieren die Geschlechter, um sich zu finden. Die anderen Grosskatzen lassen dagegen nur ein mehr oder weniger abgewandeltes Miauen zur Kommunikation hören.

Die Jaguare konzentrieren ihre Aktivitäten auf die Zeit des Sonnenuntergangs und der Nacht, jedoch kann dieses Verhalten je nach geografischer Region verschieden sein. In Lebensräumen innerhalb dichten Dschungels können sie auch eine gewisse Aktivität während des Tages präsentieren als in offenen Lebensräumen wie dem Cerrado, dem Pantanal oder der Caatinga.

Der gefleckte Jaguar ist ein territoriales Tier, und er markiert die Grenze seines Territoriums mittels Kot, Urin und Kratzspuren an Bäumen. Von Natur aus ein Einzelgänger, interagiert er mit anderen Individuen seiner Art lediglich während der Brunft – ein männliches Tier kann mehrere Weibchen befruchten.

Die Weibchen erreichen ihre sexuelle Reife etwa mit zwei Jahren und bekommen ihr erstes Junges in der Regel im dritten Jahr. Die Männchen erreichen die Geschlechtsreife im dritten Jahr und werden vom Geruch und den Rufen der Weibchen angelockt. Die reproduktive Periode erstreckt sich aufs ganze Jahr – in dem dann die männlichen und weiblichen Tiere einige Tage lang interagieren und mehrere Male kopulieren. In dieser Zeit kann man mehr als ein männliches Tier beobachten, die alle dasselbe Weibchen hoffieren. Deren Tragzeit variiert zwischen 93 und 105 Tagen – es können zwischen einem bis vier Junge geboren werden – zwei Junge sind am häufigsten. Im Durchschnitt wiegen die Jungen bei Geburt zwischen 700 bis 900 Gramm, sie öffnen die Augen zwischen dem siebenten und dreizehnten Tag, werden bis zum sechsten Monat von der Mutter gesäugt, die sie bis zu einem Alter von einundeinhalb Jahren begleiten.

httpV://www.youtube.com/watch?v=1wsnDpmuvMw

Nahrung

Der gefleckte Jaguar ist ein Raubtier der Nahrungskettenspitze – ein exklusiver Fleischfresser. Untersuchungen seiner Ernährung über die gesamte Weite seines Verbreitungsgebiets haben mehr als 85 natürliche Beutetiere registriert (Sunquist&Sunquist 1989).

Der Jaguar ist ein Oportunist bei der Jagd, er ernährt sich von den häufigsten Arten innerhalb seines Ambientes. In einigen Gegenden Brasiliens ernähren sich die Jaguare in erster Linie von grossen Säugetieren, wie Wildschweinen, Capibaras, Ameisenbären und Tapiren, in anderen Gebieten schlagen sie Reptilien, wie Schildkröten oder Kaimane. In den Arealen mit Rindern in ihrem Habitat, können diese zu einer bedeutenden Nahrungsquelle für die Raubkatze werden.

Lebensraum

Die Weite des Lebensraums des gefleckten Jaguars ist innerhalb seines Verbreitungsgebiets unterschiedlich: die kleinsten Areale wurden auf 13 Quadratkilometer geschätzt – zum Beispiel in den Wäldern von Belize und die grössten auf 265 Quadratkilometer im brasilianischen Cerrado. Untersuchungen haben ausserdem ergeben, dass das Gebiet von männlichen Tieren grösser ist als das der weiblichen – dass da der Lebensraum eines Männchens sogar einige der Weibchen umfassen kann.

Der gefleckte Jaguar kommt in einer Dichte von zirka 1 bis 7 ausgewachsenen Exemplaren auf 100 Quadratkilometern vor. Hohe Dichten wurden aus den Wäldern von Belize und Costa Rica berichtet (Salom-Pérez et al. 2007, Silver et al. 2004) und vom brasilianischen Pantanal (Soisalo & Cavalcanti 2006), wo die Vielfalt ihrer Beutetiere auch ungewöhnlich gross ist.

Der gefleckte Jaguar vermag sich unterschiedlichen Lebensräumen perfekt anzupassen – den tropischen Regenwäldern Amazoniens, den jährlich überschwemmten Ebenen des Pantanal, den trockenen Wäldern von Mexiko, den offenen Buschsteppen des Cerrado, und sogar den halbtrockenen Regionen, wie zum Beispiel denen der Caatinga. Er zieht die Nähe von Wasserläufen vor, mit einer dichten Vegetation. Normalerweise meidet er landwirtschaftlich kultivierte Gebiete, man kann ihn aber auch auf Viehweiden antreffen.

Erhaltung

Dem gefleckten Jaguar kommt eine bedeutende ökologische Funktion zur Aufrechterhaltung des ambientalen Gleichgewichts in seinem Lebensraum zu, besonders weil er das Wachstum der Populationen seiner Beutetiere reguliert – wie zum Beispiel der Wildschweine, der Capibaras und der Kaimane. Er ist ein Tier, das weite, geschützte Gebiete für sich beansprucht, um zu überleben und sich fortzupflanzen. In gewisser Weise wird der Jaguar deshalb als “Schirm“ betrachtet, denn seine ökologischen Erfordernisse umfassen sämtliche Erfordernisse aller anderen Spezies, die in seinem Ambiente vorkommen.

In Brasilien steht der gefleckte Jaguar auf der Liste der IBAMA (2003) als vom Aussterben bedrohte Art. Weltweit wird er klassifiziert als “fast bedrohte Art“ (IUCN, 2008). Die Verwandlung seines natürlichen Habitats zur Nutzung der Landwirtschaft ist der Hauptgrund seiner Reduktion auf 50% seines ursprünglichen Bestands, wobei er bereits in zwei (Uruguay und El Salvador) der 21 Länder, in denen er ursprünglich vorkam, ausgerottet ist. Der gefleckte Jaguar ist inzwischen in den meisten Ländern seiner Verbreitung geschützt – nur noch in Bolivien darf er noch gejagt werden, und in Equador und Guyana gibt es ebenfalls keinen gesetzlichen Schutz für.

Gegenwärtig ist der Regenwald Amazoniens das beste Versteck innerhalb seines Verbreitungsgebietes. In den übrigen Gebieten sind die Fragmentierung seines Lebensraumes und in Konsequenz die Isolierung seiner Populationen die grösste Bedrohung für seine Spezies. In diesen Fällen gehören die Pflege und Restaurierung der Verbindungen zwischen isolierten Populationen zur prinzipiellen Strategie einer Erhaltung des gefleckten Jaguars (siehe zum Beispiel: “Korridor der Biodiversifikation des Rio Araguaia“).

Die Fragmentierung des Lebensraumes beeinflusst direkt auch den Rückgang natürlicher Beutetiere der Jaguare. Und in solchen Fällen, in Viehzuchtregionen zum Beispiel, fallen den hungrigen Raubkatzen auch Rinder zur Beute. Das Einbegreifen der Spezies in den Anhang I der CITES (Convenção do Comércio em Espécies Ameaçadas) hat den illegalen Handel mit Jaguarfellen praktisch eliminiert. Jedoch der Abschuss dieser Tiere aus Gründen des Verlustes, den sie den Viehzüchtern bereiten, ist immer noch eine ernste Bedrohung für die Erhaltung der Spezies. Dies demonstriert, dass es nicht genügt, den Lebensraum und die natürlichen Beutetiere zu erhalten, sondern man muss auch noch versuchen, die Konflikte zwischen diesen Raubtieren und den Viehzüchtern zu entschärfen (siehe als Beispiel “Projeto Onça Social“).

Ungefähr die Hälfte des gegenwärtigen Verbreitungsgebiets des gefleckten Jaguars entfällt auf brasilianischen Boden, dadurch entsteht Brasilien eine grosse Verantwortung hinsichtlich des Schutzes dieser Tiergattung auf lange Sicht. Innerhalb Brasiliens ist der Jaguar relativ weit verbreitet, er kommt inder Nordregion bis zum Osten von Maranhão vor, in Teilen Zentralbrasiliens und der Caatinga, im Pantanal und in einigen isolierten Teilen des Südostens.

Jaguar

Interview mit Leandro Silveira, dem Präsidenten des Instituts “Onça-Pintada“

Bevor Sie sich mit Jaguaren beschäftigten, haben Sie da andere Tiere studiert? War dies eine Option oder das Fehlen einer Option?

Ich befand mich in der Universität von Goiás im Jahr 1988, als ein Brand den Nationalpark das Emas zu 100% zerstörte und die IBAMA (Brasil. Naturschutzbehörde) einen berühmten nordamerikanischen Spezialisten auf eine Einschätzung der Situation bat – Kent Redford, den Direktor der Wildlife Conservation Society, WCS. Ich begleitete die Expedition und er fragte mich: “Wie kannst Du in Goiás leben ohne diesen Park zu studieren“? Und er gab mir Tipps, und ich freundete mich mit der Idee an, hier zu arbeiten. Jedoch gab es zu jener Zeit noch keine Möglichkeit, nur mit Grosskatzen zu arbeiten und, eigentlich ist es so, wenn man ein Raubtier aus der Spitze der Nahrungskette studieren möchte, muss man seine Beutetiere kennen, ihren Lebensraum – das ist ein grosses Unterfangen.

Also studierte ich die Gürteltiere, speziell das Riesengürteltier (Priodontes maximus), von denen es eine grosse Anzahl im Park gibt. Wir haben 350 Kameras (Fotofallen) im Park verteilt und einen Berg von Informationen bekommen. Der Internationale Tierschutz erfuhr von den Daten und zeigte Interesse am Riesengürteltier, also setzten wir einen Teil unserer Equipe für diese Arbeit ein. Heute haben wir Projekte mit Grosskatzen in den bedeutendsten Biosphären Brasiliens: Im Pantanal, Amazonien, dem Atlantischen Regenwald, der Caatinga und dem Cerrado, aber man kann nicht nur als Forscher einer einzigen Spezies existieren.

Hat der Brasilianer Vorurteile gegen die Erhaltung eines Raubtiers, welches potenziell gefährlich für die Viehherden ist, wie der gefleckte Jaguar?

Ja, das hat er. Die Gesellschaft hat nur ein parzielles, eine verzerrtes Bild. Die schlimmste Konfrontationszone heutzutage ist der so genannte “Rodungsbogen“ in Amazonien, wo neue Areale entwaldet werden. Der Farmer entwaldet und stellt seine Herde dem Jaguar vor die Nase. Also schlägt dieser seine Beute. Und dann beginnt der Krieg – und der Jaguar wird zum Monster erklärt.

In Wirklichkeit gibt es da einen psychologischen Faktor: Der Viehzüchter hat schon mehrmals Vieh verloren – ersoffen, verdurstet, durch toxische Pflanzen etc. Und wenn er dann auch noch durch den Jaguar zuschaden kommt, dann sieht er in ihm endlich einen Schuldigen, dem er sich gewachsen fühlt. Und dann kanalisiert er alles auf den Jaguar. Er geht hin und tötet ihn.

Haben Sie die Verluste durch Jaguar-Attacken registriert?

Im Pantanal beträgt der Verlust an Vieh durch Jaguar-Angriffe so etwas zwischen 0,4% und 1,8% der Herde. Das ist um ein Zehnfaches weniger als der Züchter durch andere Unbilden verliert, und es ist geradezu lächerlich wenig im Gegensatz zu den Verlusten, die man den Jaguaren andichtet! Das Problem entsteht aus der menschlichen Eitelkeit. Zu sagen: “Ich kann nicht produzieren, weil der Jaguar mich nicht lässt“ ist eine akzeptablere Ausrede als zuzugeben, dass man von der Viehzucht zu wenig versteht.

Und die töten die Jaguare einfach so, obwohl es verboten ist?

Im Norden von Mato Grosso und in Rondônia gibt es immer noch professionelle “Onceiros“, die spezialisiert sind auf das Töten der Raubkatze – sie leben davon. In Roraima toleriert überhaupt niemand die Raubkatzen, sie zu töten ist dort selbstverständlich. In anderen Gebieten, in denen man sich vor Kontrollen oder Anzeigen fürchtet, vergiftet man die vom Jaguar zurück gelassenen Reste des Beutetieres. Gift ist diskret, man kann es in jedwedem Geschäft kaufen – der Jaguar frisst und stirbt irgendwo im Wald. Auf diese Weise ist es auch noch schwieriger, eine zuverlässige Aufstellung darüber anzufertigen, wieviele Jaguare im Land getötet werden. Niemand hebt mehr das Fell oder den Kopf eines Jaguars auf, also haben wir nichts, womit wir die Auswirkungen der Vergiftungen beziffern könnten. Ausserdem sterben mit dem Jaguar auch andere Arten, wie Geier, Wildhunde, Füchse – alle, die sich von diesen Fleischresten normalerweise ernähren. Und ein eigenartiges Paradox: Als die Jagd noch nicht verboten war, starben weniger Jaguare, und wir waren in der Lage, die Auswirkungen der Jagd auf die Populationen festzustellen.

Ist es möglich, diese Praxis durch Umwelterziehung zu bekämpfen?

Eine unserer grössten Herausforderungen ist es, jene Viehzüchter nicht als Banditen zu behandeln. Der Viehzüchter ist ein Unternehmer. Er will keinen Schaden erleiden. Verschiedene Eigentümer verhalten sich ökologisch korrekt, haben eine Waldreserve auf ihrem Land, alles wie es das Gesetz vorschreibt. Und da greift ein Jaguar sein Vieh an. Der “Fazendeiro“ will nicht töten, aber was soll er tun? Es gibt bei uns keine gesetzliche Struktur oder klare Politik der Erhaltung von Grosskatzen, die den Staat fordert, das Problem zu lösen. In anderen Ländern – den USA, Australien und selbst in Indien – existieren Programme zur Entschädigung von Verlusten durch wilde Tiere. Bei uns, in Abwesenheit des Staates zur Lösung des Problems, leidet der gefleckte Jaguar, weil der Viehzüchter die Lösung selbst in die Hand nimmt und den Jaguar abschiesst. Die IBAMA hat kein Geld für eine Entschädigung, also tut sie so als wüsste sie von nichts.

Also, was schlagen Sie vor?

Zuerst einmal ist es notwendig, dass man damit aufhört, Aktionen in einem Land von der Grösse Brasiliens zu verallgemeinern – hier gibt es ganz unterschiedliche Biosphären und entsprechend unterschiedliche Probleme. Im Atlantischen Regenwald gehen die Angriffe vom Puma “Onça-parda“ (Puma concolor) aus, einer Grosskatze, und die unterscheiden sich wesentlich von denen des Jaguars Amazoniens, an den Rodungsfronten, oder jenen des Jaguars im Pantanal, wo die Koexistenz mit der Raubkatze schon wesentlich älter ist.

Die Massstäbe in Amazonien und im Pantanal sind gigantisch, es existieren Fazendas von 50.000 Hektar, mit Flächen, die man unmöglich im Einzelnen kontrollieren kann. Als wir unsere Arbeit am Rio Negro, im Pantanal begannen, war die Reaktion der Viehzüchter allgemein äusserst feindselig. Also haben wir ein Entschädigungsmodell eingerichtet: der Viehzüchter lokalisierte das Gerippe seines vom Jaguar geschlagenen Tieres, und wir bezahlten den Schaden – allerdings mit einem Vertrag, nicht zu töten, den er unterschreiben musste. Wir lieferten GPS, Digitalkamera, trainierten seine Angestellten – sie fanden das gerippe, wir überprüften und zahlten. Das haben wir 2 Jahre lang gemacht – und haben so die Kosten eines offiziellen Projekts dieser Art kalkuliert, und haben auch damit bewiesen, dass jener Schaden den man bisher dem Jaguar zuschob, in Wirklichkeit sehr viel geringer ist als behauptet wurde.

Würde dieses System be der Erhaltung des Jaguars von Nutzen sein?

Der Preis für die Schäden ist wesentlich geringer als die Kosten für ein Schutzgebiet – und es ist effizienter. Anstatt einen Nationalpark zu gründen, sponsern wir die friedliche Koexistenz innerhalb der Besitzungen, wo die Jäger nicht eindringen, denn es gibt die Aufpasser der Besitzer, die entlohnt werden. Das ist durchführbar, aber die Regierung ist untätig. Vielleicht wäre es so nicht besser für Gesamt-Brasilien, aber es würde dort funktionieren, wo man keine Jaguare mehr töten darf, weil ihre Populationen bereits sehr klein sind. In anderen Gebieten müsste man nach Angaben von Fachleuten den Bestand regulieren. Jeder Fall ist ein Fall für sich, aber Brasilien ist ein heuchlerisches Land in dieser Frage. Die Gesetzgebung ist rigoros, aber niemand befolgt sie. Es ist verboten zu jagen und zu fischen – jedoch kann man Ausrüstung zum Jagen und Fischen überall kaufen. Und wehe, wenn man hier von “regulieren des Bestandes“ spricht – dann möchten einen die Öko-Freaks am liebsten lynchen! Wenn wir von regulieren sprechen, dann ist kein Abschlachten gemeint! Es gibt soviele gute und schlechte Beispiele von anderen Ländern in dieser Frage – aber in Brasilien tut man sich schwer, darüber zu diskutieren.