Die Transpantaneira Strasse

Veröffentlicht am 21. August 2011 - 18:16h

Wir haben die polemische „Strasse“ – die Transpantaneira – mal wieder besucht – heute heisst sie „Estrada-Parque“ (Parkstrasse) – um zu sehen, wie sie überlebt. Der Plan dermaleinst war ja, das Pantanal von Nord bis Süd zu durchqueren – aber die Strasse, besser: die Piste, war auf einmal auf der Hälfte der Strecke zuende – wegen der Kostenexplosion, der unzähligen Brücken und der massenweise Kritik. Das war im Jahr 1970.

Die Idee, den Ort Poconé, im Bundesstaat Mato Grosso, mit der Bundesstrasse BR-262 zu verbinden, die im Bundesstaat Mato Grosso do Sul zwischen den Städten Campo Grande und Corumbá verläuft, sollte dazu dienen, Transport und Verkauf der im Pantanal gezüchteten Rinder zu erleichtern. Man begann die Konstruktion im Jahr 1970 – ein Projekt von 340 Kilometern. Aber lediglich der nördliche Teil, innerhalb des Bundesstaates Mato Grosso, fand den Weg vom Reissbrett zur Realität, er verbindet das ehemalige Goldgräbernest Poconé – 100km südwestlich der Hauptstadt Cuiabá – mit der bescheidenen Fischerkommune Porto Jofre am Rio Cuiabá, der die Grenze zum Nachbarstaat Mato Grosso do Sul bildet.

Damit waren genau 145,5 Kilometer geschafft – mit 122 Brücken entlang der auf aufgeschütteten Dämmen verlaufenden Piste, die meisten aus Holz. Der Plan, die Transpantaneira fertigzustellen wurde nie verworfen, und ab und zu setzen sich die Verantwortlichen wieder zusammen, um den Bau des zweiten Teils zu diskutieren. Aber diese Idee stösst auf viele Hindernisse – so wie auch die eventuelle Asphaltierung des schon bestehenden Teils heftig kritisiert und deshalb aufgeschoben wird. Im Mittelpunkt der Diskussionen steht die Notwendigkeit eines Schutzes der Fauna, deren Diversifikation auch uns, wie alle die vielen anderen Besucher, anzieht.

transpantaneira

Wer die Piste Transpantaneira während des Höhepunkts der Trockenperiode befährt, wie wir, dem kommt es so vor, als ob das Wasser in seinen normalen Bahnen fliesst. Aber man kann nicht übersehen, dass die erhöht angelegte Piste das Wasser an ihren Seiten staut und so seinen normalen Ablauf behindert. Selbst mit einer Brücke, jeweils auf jeden Kilometer, bilden sich gestaute Lagunen entlang der Piste.

Für unser Abenteuer haben wir sieben Tage zur Verfügung. Poconé empfängt uns mit einem blauen Himmel ohne Wolken und einer Hitze von 33oC. Der Ort hat schon bessere Tage gesehen, heute leben hier 33.000 Einwohner, und er war auch schon mal grösser, als hier die Goldgräber noch ungestört ihr Unwesen treiben durften und mit dem Abscheiden des Goldes durch Quecksilber die Natur im angrenzenden Pantanal gefährdeten – das war 1980. Poconé ist inzwischen eher als Eingangstor zur Strasse MT 060, der Transpantaneira, bekannt – obligatorischer Halt für denjenigen, der ins Nord-Pantanal als Ökotourist, Angler oder Birdwatcher reist.

Die ersten 16 Kilometer gehören noch nicht zur Pantanal-Ebene und werden deshalb auch nicht durch Wasser behindert – hier ist auch die Möglichkeit, Tiere zu sehen noch gering. Jedoch ein paar typische Vögel begrüssen die Besucher jetzt schon: Tapicuru – Mohrenibis (Phimosus infuscatus), Socó-boi-ferrugem – Marmorreiher (Tigrisoma lineatum), Garça-baguari – Cocoireiher (Ardea cocoi) und ein paar Jacarés-do-Pantanal – Brillenkaiman (Caiman crocodilus yacare) tauchen in für die Rinder der Fazendas angelegten Wasserlöchern auf. Dieser Abschnitt wird asphaltiert werden, die Arbeiten sind bereits eingeleitet.

Ein aus Holz gefertigter Torbogen mit Schildern „Hier beginnt das Pantanal von Mato Grosso“ in verschiedenen Sprachen, sowie ein Posten der Flurpolizei (IBAMA) markieren den Kilometer 17. Ab dort wird die Transpantaneira zur „Parkstrasse“, und bald entdecken wir eine Vielzahl von Tierarten, besonders solche, die mit dem Wasser in Verbindung stehen.

Wir treffen auf Tuiuiús – Jabiru (Jabiru mycteria), dem Symbol des Pantanal – auf Colhereiros – Rosalöffler (Platalea ajaja), mit ihrem Schnabel in Form eines Löffels – entdecken Biguás – Olivenscharbe (Phalacrocorax olivaceus) – und einen Martim-pescador-grande – Rotbrustfischer (Ceryle torquata), der auf einem Kabel der Stromleitung posiert – und drei Falken: der Caramujeiro – Schneckenweih (Rostrhamus sociabilis), mit seiner gekrümmten Schnabelspitze, spezialisiert auf Schnecken – der schöne Fischbussard (Busarellus nigricollis), der seinem Namen Ehre macht – und der imponente Gavião-preto – Schwarzbussard (Buteogallus urubitinga), einer der grössten Raubvögel in diesem Gebiet.

Was uns allerdings am meisten beeindruckt, ist die enorme Anzahl von Kaimanen auf beiden Seiten der Piste. Es sind Hunderte, neben- und manchmal auch übereinander, kämpfen sie um die besten Plätze an der Sonne, die sie brauchen, um ihre Körpertemperatur zu halten. Wir passieren jetzt die ersten Holzbrücken, sie sind in gutem Zustand. Wir bemerken ein paar edukative Schilder, die auf eventuell die Piste kreuzende Tiere aufmerksam machen und den Fahrer bitten, umsichtig zu fahren – die Statistik der überfahrenen Tiere ist hoch, darunter Capivaras, Ozelots, Ameisenbären und Gürteltiere.

Nach Auskunft von Dalci Oliveira, von der Biologie und Zoologie der stattlichen Universität in Mato Grosso (UFMT), “es existiert ein Projekt zu Demarkierung der Gegenden mit den höchsten Quoten überfahrener Tiere für die Anbringung von Schutzzäunen und Übergängen speziell für die Tiere – aber bis jetzt hat man das Projekt noch nicht umgesetzt. Meiner Meinung nach würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Piste auf 50 Stundenkilometer mehr bringen“! Die Asphaltierung der “Estrada-Parque“ dagegen, würde die Geschwindigkeit der Fahrzeuge und damit das Risiko für die Tiere erhöhen. “Mit nur 50 km/Std ist das Risiko es Überfahrens nahe Null – mit 120 km/Std dagegen liegt das Risiko bei 80%“ sagt die Wissenschaftlerin. (wenn sich alle an die 50 km/Std. halten würden, was heute schon nicht der Fall ist, Anmerkung des Autors).

Secretário vistoria pontes na transpantaneira
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Yacare Caiman
Resting
Wild Ocelot
Old Jaguar Hunting
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Wir fahren weiter. Und die Fauna zögert nicht, sich zu zeigen. An einer der Brücken mit einer gestauten Lagune entdecken wir eine Garça-azul – Blaureiher (Florida caerulea), recht selten im Pantanal, mit einem dunkelblauen Gefieder, das von weitem bleigrau erscheint. An derselben Lagune gibt es auch eine Saracura-três-potes – Cyanneralle (Aramides cajanea), ein Paar und ein Jungtier der Jaçanãs – Rotstirn-Blatthühnchen (Jacana jacana). Das ausgewachsene Paar präsentiert sein charakteristisches Federkleid in den Farben rötlich-braun und schwarz, während der Jungvogel durch seine Federn in einem hellen Braun an den Flügeln und dem Rücken, sowie einem weissen Bauch, auffällt. Wenn die ausgewachsenen Exemplare sich zum Abflug vorbereiten, entdeckt man unter ihren geöffneten Flügeln einen wunderschönen gelben Fächer, den man sonst in Ruhestellung nicht sieht.

Vor uns liegt ein überfahrenes Tier auf der Fahrbahn – ein Kaiman. Wir bemerken, dass die Trockenheit in diesem Jahr besonders intensiv ist, es gibt viele Brücken, unter denen man keinen Tropfen Wasser mehr entdecken kann. Unser deutschsprechender Guide sagt, dass der Abfluss der Überschwemmung in diesem Jahr schneller vonstattenging als sonst üblich. Zwei typische Vögel des Cerrado tauchen vor uns auf: der Gavião-caoclo – Savannenbussard (Heterospizias meridionalis) und der Tucanuçu – Riesentukan (Ramphastos toco).

Wenn man die Transpantaneira befährt, erkennt man schnell die Prinzipien ihrer Konstruktion: Sie besteht aus einer grossen, langen Erdaufschüttung, einem Erddamm, fast kontinuierlich in gerader Linie nach Süden verlegt – die Erde hat man einfach von beiden Seiten “ausgeliehen“ und damit breite Gräben zurück gelassen, die sich alljährlich mit Wasser füllen, und in denen sich die Kaimane zu Hunderten aalen, und die auch Nahrung für eine ganze Reihe von Lebewesen der vielgestaltigen Fauna enthalten – Fische, Schnecken, Krebse und andere. Bevor wir den Kilometer 33 erreichen, können wir einen Maçarico-pernalonga – Stelzenläufer (Himantopus himantopus) und einen Trinta-réis-pequeno – Amazonas-Seeschwalbe) (Sterna superciliaris) beobachten.

Wir verlassen die Piste und biegen in einen Seitenarm ein, der uns nach zirka sieben Kilometern zur Fazenda Pouso Alegre geleitet. Hier wollen wir die Nacht verbringen. Eine grössere Gruppe Capivaras – Wasserschweine (Hydrochaeris hydrochaeris) taucht vor uns auf, und wir entdecken auch noch einen Araçari-castanho – Braunohrarassari (Pteroglossus castanotis), aus der Tucano-Familie, allerdings viel kleiner.

Der Spätnachmittag erlaubt uns noch eine kleine Wanderung durch eine “Cordilleira“, wie sie hier die kleinen, höher gelegenen Wäldchen nennen, die von den Überschwemmungen verschont bleiben. Dort entdecken wir den João-pinto – Safrantrupial (Icterus icterus croconotus) mit seinem auffälligen Federkleid in Orange und Schwarz. Eine Gruppe Brüllaffen – Bugios – Schwarze Brüllaffe (Alouatta caraya) und ein Cutia – Aguti (Dasyprocta sp.), ein kleineres Nagetier, kreuzen unseren Pfad, und wir werden in der überrascht von einem Nachtvogel, nachdem der Pfad benannt ist: dem Riesentagesschläfer – Urutáu – Urutau-Tagschläfer (Nyctibius griseus), der unbeweglich auf einem Ast sitzt – man kann ihn leicht mit einem der Aststümpfe des Baumes verwechseln.

Als die Sonne sich schliesslich ihrem Untergang nähert, fliegen die Hyazinth-Ara – Blauaras (Anodorhynchus hyacinthinus) paarweise zur Übernachtung ihren Baumhöhlen zu. Der Tag endet, aber die Parade der Tiere nicht. Wir machen nach dem Abendessen einen Nachtausflug, unser Guide hat eine starke Taschenlampe dabei. Als erstes treffen wir auf einen Hirsch – Veado-mateiro – Rotmazama (Mazama americana), dann eine Herde grasender Capivaras und ein Paar Wildhunde – Cachorros-do-mato – Waldhunf (Dusicyon thous), die von den Pantaneiros als “Lobetes“ (Wölfchen) bezeichnet werden. Einer von ihnen nähert sich uns. Ich fand es eigenartig, dass er in meine Richtung lief – dann entdeckte ich, dass er nicht hinter mir, sondern einem kleinen Nagetier her war. Als er es geschnappt hatte, trollte er sich hastig.

Der schönste Teil unseres Nachtausflugs kam dann: Im Lichtkegel über einer der zahlreichen Lagunen entdeckten wir das grösste Säugetier Brasiliens und Südamerikas, den Tapir – Anta (Tapirus terrestris). Von sehr scheuer Natur, zog er sich in die höhere Vegetation zurück, als er unsere Anwesenheit bemerkt hatte.

StepMap-Karte StepMap

Nach Sonnenaufgang konnten wir nicht weniger als 17 verschiedene Vogelarten beobachten – unter ihnen knallbunte Exemplare, auch Wildtauben und die typischen Curicacas – Weisshalsibis (Theristicus caudatus) und Cabeças-secas – Waldstorch (Mycteria americana). Um zur Transpantaneira zurückkehren zu können, mussten wir unseren VW anschieben, weil die Batterie schwach war. Aber die Kiste sprang wieder an, und wir erreichten den Kilometer 38, wo wir eine Spazierfahrt im Ruderboot auf dem Rio Clarinho vorhatten. Entlang der gesamten Transpantaneira-Piste gibt es verschiedene Flüsschen – Bento Gomes, Claro, Clarinho. Pixaim, Cassange – die während der Trockenzeit nirgendwohin fliessen.

Wir setzen das kanadische Kanu auf das Wasser des Rio Clarinho und paddeln auf dem ruhigen Wasser – etwa 10 Kilometer insgesamt, hin und zurück. Wir werden empfangen von Wildenten – Patos-do-mato – Warzenente (Cairina moschata) – Biguatingas – Schlangenhalsvögel (Anhinga anhinga) – Arapapás – Kahnschnabel (Cochlearius cochlearius), eine Art Reiher, der nachtaktiv ist und einen eigenartigen, abgeflachten Schnabel besitzt – Soldadinhos – Helmpipra (Antilophia galeata) und ein männliches Mutum-pinima – Nacktgesichthokko (Crax fasciolata), anders als das weibliche Exemplar, weil er einen weissen Rücken hat, einen gelben Schnabel und die restlichen Fern schwarz, während das Weibchen eine zimtbraune Brust und das restliche Federkleid schwarz mit weissen Streifen präsentiert.

Eine Riesenotter-Familie (Pteronura brasiliensis) taucht auf. Fünf Exemplare, die sehr lebhaft sind, andauernd unter- und wieder auftauchen. Wir fahren vorbei, ohne dass sie ihre Jagd nach Fischen, ihrer vorwiegenden Beute, unterbrechen.

Unser nächster Halt, wieder auf der Piste, ist der “Torre de Bugio“, der höchste Beobachtungsturm der Transpantaneira, mit 21 Metern – er befindet sich beim Kilometer 32. Wir laufen fast eine Stunde (zirka 2 km) auf einem Holzsteg, den man auch in der Überschwemmungsperiode benutzen kann. Eine grosse Gruppe von Kapuzineraffen – Macacos-prego – Kapuzineraffe (Cebus apella) nähert sich, posiert für Fotos und entfernt sich dann wieder auf der Nahrungssuche – sie drehen Blätter einzeln um auf der Suche nach Insekten. Einer von ihnen klettert eine Acuri-Palme hoch und versucht, die kleinen Nüsse abzureissen. Er frisst nur das äussere Fruchtfleisch, das weicher ist als der Kern, den er wegschleudert.

Auf dem Turm scheint eine Brüllaffen-Familie auf uns zu warten. Als sie unser ansichtig werden, kommen sie ohne Furcht näher. Wir füllen Wasser in einen Becher, und sie zögern nicht, davon zu trinken. “Eine der Diskussionen, die mit dem Tourismus im Pantanal aufgeflammt sind, ist das Füttern der wilden Tiere“ bemerkt später unser Guia. “Dies verändert ihr natürliches Verhalten – richtiger ist, sie nur zu beobachten, ohne in ihr Leben einzugreifen“.

Lektion gelernt – unser nächster Halt ist beim Kilometer 65, der Fazenda Santa Tereza, wo wir in ein Motorboot steigen, um den Rio Pixaim zu befahren. Wir entdecken eine Gruppe von Ipequis oder Cachorrinhos-do-rio (Heliornis folica) – die trotz ihres volkstümlichen Namens nichts mit einem Hund zu tun haben, sondern kleine Vögel sind, sie ähneln kleinen Enten. Sie schwimmen und tauchen sehr gut und leben stets an Ufern von Flüssen oder Bächen mit dichter Ufervegetation.

Marcos ein echter “Poconéser“, schreibt der Transpantaneira eine Erhöhung der lokalen Arbeitsplätze in Zusammenhang mit dem Ökotourismus zu. Er sagt, dass viele Fazendas zwar ihre Viehzucht beibehalten, aber sich entsprechend umgestellt haben, um Touristen aufzunehmen, und “damit haben die Leute aus Poconé eine Möglichkeit gefunden, in der Region der Transpantaneira zu arbeiten – als Guide oder als Helfer in den Pousadas“ – und er reiht sich selbst in diese “Leute“ ein. Die Fazenda Santa Tereza ist ein Beispiel: dort züchtet man seit 100 Jahren Vieh, und die Pousada hat man vor 8 Jahren eingerichtet.

Am folgenden Tag, als wir ein Wasserloch passieren, dessen Oberfläche von Wasserpflanzen völlig bedeckt ist, bemerken wir etwas darin, das sich bewegt. Es entpuppt sich als eine Schlange von etwa zwei Metern Länge – von gelber Grundfärbung, mit schwarzen Streifen. Anfangs können wir nur den Kopf erkennen, der Rest des Körpers bewegt sich unter Wasser. Dann kriecht sie langsam heraus aufs Trockene, um in einem hohen Grasbüschel zu verschwinden. Es scheint eine Jaracuçu-do-brejo – Amarals Peitschennatter (Mastigodryas bifossatus) gewesen zu sein, später haben die Pantaneiros unsere Vermutung bestätigt.

Ein weiterer Tag, an dem wir dem grössten Hirsch Südamerikas begegnen, dem Cervo-do-Pantanal – Sumpfhirsch (Blastocerus dichotomus). Und nicht nur einem: sieben Exemplare waren dicht beieinander! Unser Glück mit Tiergruppen setzt sich fort: In der Morgendämmerung darauf stehen wir auf, um den Sonnenaufgang am Rio Bento Gomes zu erleben und treffen auf die grösste Gruppe von Löfflern – Colhereiros – Rosalöffler (Ajaia ajaja) unserer gesamten Reise, verteilt im flachen Wasser stochern sie nach Schnecken inmitten der Wasserlinsendecke.

Wir befahren die Bucht des Flusses mit einem Boot, das der Pilot mit einer “Zinga“ (Stange) manövriert, indem er sie bis auf den Grund eintaucht und das Boot abstösst. Ohne Geräusch ist diese Fortbewegung ideal zur Tierbeobachtung. Wir nähern uns einer grossen Konzentration von Talha-mares – Amerikanischer Scherenschnabel (Rynchops niger), Vögel, die mit geöffnetem Schnabel die Wasseroberfläche zu zerteilen pflegen, auf der Jagd nach Fischen.
Wir erreichen die Fazenda São Cristóvão und sprechen dort mit dem Besitzer, Pedro Paulo Vaz Guimarães (53) über Fischfang. “In dieser Gegend, am Rio Bento Gomes, sind die Fische praktisch verschwunden. Früher, wenn man einen kleinen Piranha fing, hat man ihn in den Fluss zurück geworfen. Heute, wenn man einen davon fängt, ist man froh, ihn für eine Suppe nutzen zu können. Wir angeln nur für den Eigenkonsum, aber selbst dafür gibt es inzwischen kaum noch Fische » lamentiert er. “Auch die Weiden wurden damals grün in den Monaten Juni und Juli, und es erschienen viele Tiere auf ihnen. Heute sieht es so aus, als ob die Überschwemmung das Gras abtötet. Das kann von den Unkrautvertilgungsmitteln herrühren, die sie dort oben benutzen, und die dann mit dem Regen zu uns herunter fliessen“.

Solche Probleme demonstrieren die Notwendigkeit einer integrierten ambientalen Amtsführung und der Partnerschaften zwischen Naturschützern, Fazendeiros und Touristik-Managern. Während einer Reise von sieben Tagen auf und um die Transpantaneira haben wir zirka 115 Vogelarten, 13 Säugetierarten und 4 Reptilienarten gesehen. Wir haben 3 tote, überfahrene Tiere gesichtet. Entlang der Transpantaneira empfangen die Pousadas nur wenige Brasilianer (5%) und viele Ausländer (95%) – die Mehrheit der letzteren sind so genannte Birdwatchers – Vogelbeobachter. Die Brasilianer sind Angler, unterwegs nach Porto Jofre, dem Endpunkt der Transpantaneira. Die Fauna ist der “Köder“ für beide und die Transpantaneira ihr Transportweg. Wichtig, dass sowohl der Abfluss des Wassers als auch der Zufluss umweltbewusster Touristen weiterhin existiert!