Verteidigerin der Tapire

Veröffentlicht am 3. Juni 2012 - 09:56h

In der Regel finden es die meisten Leute “toll“, wenn jemand sich für den Vogelschutz einsetzt, für die Erhaltung der Schildkröten oder der Delfine, aber für die Verteidigung der Tapire?! Die Begeisterung nimmt ab, wenn man hört, dass sie für die Erhaltung der Tapire arbeitet – man findet so was höchstens ein bisschen kurios oder gar verrückt – denn diese Tiere sind doch ziemlich sonderbar und unattraktiv – schliesslich bezeichnet man einen dummen Menschen ja nicht von ungefähr als “Anta“ (=Tapir in der brasilianischen Landessprache).

Dieses Vorurteil! Diese unglückliche, exklusiv humane Eigenschaft, die es darauf abgesehen hat, Meinungen zu deformieren und Horizonte zu begrenzen. Wenn es uns gelänge, dieses dumme Vorurteil mal beiseite zu lassen, und die Tapire aus dem Team der kaum beachteten Tiere herausholen würden, um ihnen jene Bedeutung zukommen zu lassen, die sie tatsächlich für das Gleichgewicht des Ökosystems haben, dann würden wir eine Arbeit zum Schutz der Tapire ganz sicherlich mit demselben Glanz in unseren Augen verfolgen, wie jene, die der Erhaltung bunter Schmetterlinge gilt.

Nun, die Forstingenieurin Patrícia Medici, Brasilianerin, Doktortitel in Ökologie und Umweltschutz der Universität Kent (Grossbritannien), lässt sich durch Vorurteile bestimmt nicht einschüchtern. Seit über 15 Jahren widmet sie sich dem Studium der brasilianischen Tapire (Tapirus terrestris), und sie versteht es, während einem Plausch von nur dreissig Minuten, jedweden Sterblichen von der Bedeutung einer Erhaltung dieser Tiere zu überzeugen. Zwölf Jahre hat sie allein im Atlantischen Regenwald geforscht, und diese Jahre haben dazu geführt – neben ihrer offensichtlichen Leidenschaft für diese Spezies – einen Aktionsplan zur Erhaltung des Tapirs in diesem Biom zu entwickeln.

Dann war das Pantanal dran. Seit 2008 wohnt Patrícia in Mato Grosso do Sul und verbringt, während der Trockenperiode, zwei Wochen pro Monat auf der Fazenda “Baía das Pedras“, im Pantanal von Nhecolândia. Sie fängt und untersucht die Tiere, misst und wiegt sie, kontrolliert Fotofallen und stellt neue auf, sammelt Urin und Kot und überwacht die mit einem Radio-Transmitter ausgestatteten Exemplare – all das tut sie, um die Lebensweise und biologischen Eigenschaften der Tapire kennenzulernen.

Und es sind diese Informationen, professionell analysiert und katalogisiert, die einem Aktionsplan zur Erhaltung des Tapirs im Pantanal schliesslich Beine machen. Patrícias Absicht ist es, ihre Forschungen auf andere Biome auszuweiten, um so ein Netz von Empfehlungen zu spinnen, den Tapir in jedem seiner originalen Habitats definitiv zu schützen und zu erhalten.

Für ihr Ziel hat sich die “Doutora das Antas“ (Doktorin der Tapire) mit mehr als 40 Sponsoren abgesichert – und man muss hervorheben, dass es ohne Ausnahme internationale Sponsoren sind. Die Mehrheit setzt sich aus Mitteln zur Erhaltung amerikanischer und europäischer Zoos zusammen. Ausserdem hat Patrícia bereits mehrere Preise als Mitglied der wissenschaftliche Equipe des “Instituto de Pesquisas Ecológicas“ (IPÊ) erhalten, darunter der “Harry Messel Award for Conservation Leadership“, verliehen von der “Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) – den “Golden Ark“ in Holland (zusammen mit einem Scheck von 50.000 Euros) – und der “Whitley Award“ in England (mit einem weiteren Scheck über 30.000 Pfund).

Ihre Forschungen im Pantanal werden noch zirka drei Jahre erfordern. Der nächste geplante Schritt gilt dem brasilianischen “Cerrado“-Biom, und den lokalen Tapiren natürlich, die sie von Campo Grande aus studieren will, wo sie ihr Hauptquartier eingerichtet hat – in einer Stadt (Mato Grosso do Sul), die sie inzwischen ein bisschen ins Herz geschlossen hat, wie sie sagt.

Die Gärtner des Waldes

Eine der Charakteristika des verkannten Tapirs, durch die Patrícia von ihrer Rettungsmission überzeugt wurde, ist sein besonderer Beitrag zur Erhaltung der Biodiversifikation. Weil es sich um einen Vegetarier und vorwiegend Früchtefresser handelt, der hier ein Früchtchen verzehrt und dort ein paar Samenkerne schluckt – dann läuft er ein bisschen herum, und schliesslich scheidet er die unverdauten Teile wieder aus – bereits gedüngte Samen, kilometerweit entfernt von der Stelle, wo er sie aufgenommen hat. Patrícia bezeichnet deshalb ihre Tapire als “Gärtner des Waldes“.

Eine bemerkenswerte Tatsache ist die Klassifikation des brasilianischen Tapirs im Roten Buch der IUCN (bedrohte Fauna) als “gefährdet“, und das kommt daher, dass nur eine ungenügende Anzahl ausgewachsener Tiere existiert, um die Tapir-Population auf eine Anzahl zu erhöhen, die als gesund angesehen wird. Dazu muss man wissen, dass der Reproduktionszyklus der Tapire besonders lang ist. Ein Exemplar dieser Spezies wird erst nach vier Jahren geschlechtsreif. Dann sucht sich das Tier einen Partner, mit dem es sein Leben lang zusammenbleibt. Die Tragzeit eines Weibchens dauert 14 Monate (!), und es wird jeweils nur ein Junges geboren, das von seiner Mutter zirka 15 Monate umsorgt wird. Und in der freien Natur überlebt nur etwa die Hälfte der Jungen die Attacken von Beutejägern. Studien haben ausserdem gezeigt, dass ein Tapir zirka 25 Jahre in seiner natürlichen Umgebung lebt – und bis zu 40 Jahren in Gefangenschaft.

Bedrohungen

Die Forschungen von Dr. Patrícia Medici im Atlantischen Regenwald zeigen, dass eine Bedrohung der Tapire in diesem Biom in erster Linie von der Waldzerstörung ausgeht – durch sie werden die kleinen Populationen dieser Tiere weiterhin geschwächt. Wegen der zunehmenden Urbanisation leiden diese kleinen Bestände auch unter dem Strassenverkehr – viele der Tiere werden beim Überqueren von Strassen überfahren, ein Problem, dass sich inzwischen im Cerrado wiederholt.

Die Tapire der überschwemmbaren Pantanal-Ebene sind dagegen relativ geschützt, und sie müssen auch keine Jäger fürchten. Jedoch untersucht Patrícia die Frage einer eventuellen Übertragung von ansteckenden Krankheiten durch Haustiere der Bewohner, wie Pferde, Rinder und Hunde.

Charakteristika

Tapire sind Säugetiere, die immer wieder mit Wild- oder Wasserschweinen und sogar Ameisenbären verwechselt werden. Ihre nächsten Verwandten sind die Huftiere (Ungulata), mit einer ungeraden Anzahl von Zehen – wie die Pferde oder die Nashörner.

Es existieren vier Arten: der Brasilianische oder Flachland-Tapir (Tapirus terrestris), der Berg-Tapir (Tapirus pinchaque), der zentralamerikanische Tapir (Tapirus bairdii) und der asiatische Schabracken-Tapir (Tapirus indicus).

Der Brasilianische Tapir besitzt eine kurze, schmal verlaufende Haarmähne auf der Halsoberseite, sein Fell ist grau-braun, kurzhaarig und rau, die Ohren haben weisse Spitzen. Diese Spezies bevorzugt ein Habitat in der Nähe von Wasserläufen – man sieht ihn häufig im Wasser schwimmen. Um Beutemachern zu entgehen, stürzt sich der Tapir ins Wasser und taucht unter, eine bewährte Methode, seinen Feind abzuschütteln. Tapire sind meistens nachtaktiv, dann verschlingen sie eine grosse Menge an Gräsern, Blättern, Samenkernen, Früchten und andere Arten von Vegetation.

Original © Bruna Lucianer
Tapir Specialist Group
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung Klaus D. Günther
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Tapir Baby Tupi ❤
South American Tapir
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Flachlandtapir (1,0)
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Flachlandtapir
Flachlandtapir "Kuni" (1,0)
Flachlandtapire - DAISY + PURUTO + Pinselohrschweinchen HEIDI - Tiergarten Nürnberg - 04.03.2017
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Der Tapir in der Übersicht

Lebensraum:
Wälder Südamerikas – vom Osten Kolumbiens bis zum Norden von Argentinien und Paraguay.

Ernährung:
Früchte, Blätter, Stängel, Knospen, Wasserpflanzen und Baumrinden.

Gewohnheiten:
Bewegt sich weitflächig im Wald, dadurch verschleppt er die unverdauten Pflanzensamen in andere Gebiete, scheidet sie dort aus und sorgt so bedeutend für ihre Verbreitung.

Erscheinung:

Wird oft mit einem Wild- oder Wasserschwein verwechselt. Präsentiert kurzen Schwanz, kleine Augen, kurze Haarmähne auf dem Hals, bewegliche Ohren, Hufe wie ein Rind und einen kurzen, sehr beweglichen Rüssel an der Schnauze.

Gewicht und Grösse:
Die Tiere erreichen 250 kg Gewicht. Die Körperlänge der Weibchen ist 2,2 Meter und der Männchen 2 Meter – Risthöhe 1,1 Meter.